Solar Glass Trading
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Das Geheimnis der Solar-Weltmacht

In weniger als zehn Jahren ist das chinesische Unternehmen Suntech zum weltweit größten Hersteller von Solarmodulen aufgestiegen. Was ist das Erfolgsgeheimnis von Suntech-Chef Zhengrong Shi?

Wer die Zukunft der Solarenergie sehen will, muss mit dem Zug von Shanghai ins Landesinnere von China fahren. Nach etwa einer Stunde erreicht man Wuxi. Man quält sich mit dem hupenden Taxi durch den Smog der schnell wachsenden Fünf-Millionen-Stadt, erreicht das Gewerbegebiet und steht staunend vor der blau schimmernden Fassade von Suntech Power – dem Unternehmen, das sich in nur neun Jahren zum weltgrößten Anbieter von Silizium-Solarmodulen entwickelt hat. Diese Module bedecken auch die gesamte Front des acht Stockwerke hohen Hauptquartiers – die größte ans Stromnetz angeschlossene Solarfassade der Welt. Zusammen mit 1800 kleineren Modulen auf dem Dach kommen sie an sonnigen Tagen auf eine Leistung von einem Megawatt; pro Jahr soll die Anlage mehr als eine Million Kilowattstunden Energie produzieren. 2001, als Suntech gegründet wurde, hätten alle Solarfabriken Chinas zusammen sechs Monate lang mit voller Auslastung arbeiten müssen, um so viele Module herzustellen. Mit Suntechs erster Fabrik, eröffnet 2002, wäre nur noch etwas mehr als ein Monat nötig gewesen. Heute kann das Unternehmen diese Anzahl Module in weniger als einer Zwölf-Stunden-Schicht produzieren. Ende dieses Jahres könnten die Arbeiter sogar schon zur Mittagspause damit fertig sein.

Seit 2002 hat Suntech seine Produktionskapazität von 10 auf über 1000 Megawatt pro Jahr gesteigert – ein Viertel der gesamten chinesischen Produktion. Mit diesem rapiden Wachstum hat die chinesische Solarbranche ihre Konkurrenten in den USA, Japan und Deutschland überholt und ist in weniger als einem Jahrzehnt zum größten Lieferanten von Solarmodulen aufgestiegen.

Etwa jedes zweite Solarmodul weltweit kam 2009 aus China, in diesem Jahr dürfte dieser Anteil noch zunehmen. Damit einher gehen massive Kostensenkungen: 2004 kostete die Herstellung von Silizium-Modulen noch durchschnittlich 3,20 US-Dollar pro Watt Spitzenleistung. Heute liegen die Kosten bei manchen chinesischen Herstellern nur noch bei 1,28 Dollar, wie Analysten von Photon Consulting in Boston ermittelt haben. Die günstigsten westlichen Hersteller dagegen müssen für vergleichbare Technologie immer noch etwa zwei Dollar pro Watt ausgeben. Durch die sinkenden Kosten kommt die Photovoltaik der sogenannten „Grid Parity“ immer näher – dem Punkt also, an dem Sonnenstrom ebenso günstig ist wie Strom aus dem Netz. „In fünf Jahren sollten wir in 30 bis 50 Prozent der weltweiten Märkte die Grid Parity erreicht haben“, sagt Zhengrong Shi, Gründer und CEO von Suntech, in seinem geräumigen Büro mit Blick auf die Rückseite der riesigen Solaranlage an der Fassade.

Shi steht in vielerlei Hinsicht für die Komplexität des heutigen China. Er wurde weniger als hundert Kilometer von der Fabrik in Wuxi entfernt geboren, begann seine Karriere aber in Australien. Dort lebte er ein Jahrzehnt und nahm die australische Staatsbürgerschaft an. „Wenn ich in China arbeiten will, muss ich ein Visum beantragen“, sagt Shi mit einem leichten australischen Akzent und lacht.

Trotz seines Reichtums und seiner wichtigen Position umgibt den Mann im einfachen Sportjackett und offenem Hemdkragen die Aura eines entspannten, aber selbstbewussten Forschers. Doch seine lockere australische Art sollte nicht über Shis enge Bindung an die Heimat hinwegtäuschen – und über seinen Ehrgeiz. In seinem Büro finden sich sorgfältig arrangierte Zeitschriften, die ihn als „Sun King“ („Forbes Asia“) oder „China’s New King of Solar“ („Fortune“) feiern. 2005, als der Ölpreis verrücktspielte und vor allem europäische Länder ihre Kohlendioxid-Emissionen senken wollten, brachte Shi Suntech an die New Yorker Börse. Im Jahr darauf wurde er mit einem Nettovermögen von 1,4 Milliarden Dollar laut dem Magazin „Forbes“ zum siebtreichsten Menschen Chinas.

Doch es hätte nicht viel gefehlt, und der Mann hinter Suntech wäre gar nicht erst in der Solarbranche gelandet. Als er noch ein kleiner Junge war, mussten Shis Eltern ihn zur Adoption durch einen engen Freund der Familie freigeben – sie waren Kleinbauern, die während der Hungersnöte in China Anfang der sechziger Jahre bettelarm geworden waren. In der Schule zeigte Shi hervorragende Leistungen und brachte es später zu einem Bachelor-Abschluss in Optik und einem Master in Laserphysik. Wie viele andere begabte chinesische Studenten in den achtziger Jahren bewarb er sich um ein Studium im Ausland. Er wurde angenommen – allerdings nicht in den USA, wie er erwartet hatte, sondern in Australien. Weil er nicht viel über dieses Land wusste, folgte Shi der Empfehlung eines Bekannten: Er solle sich an Martin Green wenden, den Direktor des Photovoltaics Centre of Excellence an der University of New South Wales in Sydney. Green hatte sich durch Silizium-Solarzellen mit Rekord-Wirkungsgrad einen Namen gemacht. Shi bewarb sich um eine bezahlte Forscherstelle bei Green, doch der „lehnte sofort ab“, wie Shi sich erinnert. Stattdessen überredete Green ihn zu promovieren.


29.07.2010, Suntech Power Holdings

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